In diesem Post versuche ich ausgehend von aktuellen Texten die folgende Überlegung zu formulieren:

  • Der beste Ausgangspunkt zum Verständnis der Beziehungen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft einerseits und globaler Erhitzung andererseits sind die Energie- und Materialströme, die den wirtschaftlichen Durchsatz (Throughput) bilden.
  • Die Dynamik dieser Energie- und Materialströme ist gekoppelt an Größe und Wachstum der materiellen Infrastruktur, der Stocks (Bestände) oder Technomasse.
  • Die Infrastruktur oder Technomasse ist nicht nur durch ihren Umfang der wichtigste Faktor bei der Verursachung der globalen Erhitzung (und anderer Überschreitungen der planetaren Grenzen). Sie hat eine Eigendynamik, die die globale Erhitzung vorantreibt.
  • Eine Schlüsselfrage für das Handeln gegen die globale Erhitzung ist damit, welche Natur diese Eigendynamik hat. Eine mehrfach vorgeschlagene Antwort auf diese Frage ist, dass die Technosphäre ihre eigene Entwicklung und ihr Wachstum steuert.
  • Eine „soziale Ökologie“, die gesellschaftliche Veränderungen als Voraussetzung der Begrenzung der globale Erhitzung sieht, braucht gegen die „Technosphären-Option“ neue Argumentationen, die die Eigendynamik der gesellschaftlichen Artefakte nicht wegrelativieren.
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Ich habe mich in dieser Woche weiter mit Éric Pineaults A Social Ecology of Capital (2023) beschäftigt und einige Texte gelesen, die Pineault während der Entstehung dieses Buchs publiziert hat. Sie machen für mich die Probleme deutlicher, mit denen sich Pineault in seinem Buch auseinandergesetzt hat (2016, 2018a, 2018b). Bei der Lektüre suche ich immer noch nach Antworten auf die Fragen, durch die ich auf Pineaults Buch gestoßen bin: Wie ist das exponentielle Wachstum zu erklären, das zur großen Beschleunigung (Steffen et al., 2015) und damit zum Klimanotstand und zur Überschreitung der Planetaren Grenzen geführt hat? Welche Gesellschafts-, Wirtschafts- oder Kapitalismustheorie kann diesen Zusammenhang erklären? Aus welcher Erklärung lassen sich Schlussfolgerungen für ein Engagement gegen das Fortschreiten der Klimakrise (und der mit ihr verbundenen Krisen) ableiten?

Ich habe schon zweimal über Pineaults Buch gebloggt (hier und hier). Erst danach ist mir klar geworden, dass ich ein zentrales Element von Pineaults Analyse des exponentiellen Wachstums des fortgeschrittenen Kapitalismus nicht verstanden hatte. Ich versuche hier zu formulieren, wie ich seine Argumentation jetzt begreife. Sie baut auf sehr viel Literatur auf (die ich zum Teil jetzt gerade durch Pineault kennenlerne) und ist dicht mit anderen Argumentationssträngen des Buchs vernetzt.

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Cover von Éric Pineault, A Social Ecology of Capital
Cover von Éric Pineault, A Social Ecology of Capital

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich mit Éric Pineaults Buch „A Social Ecology of Capital“ (Pineault, 2023). Ich suche – und finde – bei Pineault Antworten auf Fragen, die ich schon lange habe: Wie hängt das Funktionieren der Wirtschaft mit der Überschreitung der planetaren Grenzen und den ökologisch-sozialen Krisen zusammen, die sich aus dieser Überschreitung ergeben? Warum haben Klimawissenschaft, Klimabewegung und Klimapolitik nur minimale Erfolge gegen die globale Erhitzung erzielt? Warum setzt sich die fossile Expansion fast ungebremst fort, und warum gelingt es reaktionären Politikern in den USA, Russland und Europa, sie sogar noch zu beschleunigen? Und: Welcher Kapitalismusbegriff hilft dabei, die Ursachen für diese Prozesse und Niederlagen zu verstehen und sich gegen sie zu engagieren? In welchen Beziehungen stehen Wirtschaftskonzepte aus marxistischen und nichtmarxistischen Traditionen zur ökologischen Ökonomie? Wie zwingend ist die Forderung nach Degrowth als Antwort auf die Klimakatastrophe und die übrigen sozial-ökologischen Krisen?

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