Über die selben Quellen wir beim letzten Eintrag gefunden: What the MySpace generation should know about working for free von Trebor Scholz. Ambivalenter Eindruck. Die Kritik an der Ausbeutung immaterieller Arbeit im Social Web stimmt und stimmt nicht. Sie basiert vielleicht auf einer moralisch wertenden, aber ökonomistischen Interpretation der Konsequenzen von Reed’s Law: Die Nützlichkeit von Netzen, speziell sozialen Netzen, wächst exponentiell mit ihrer Größe, weil diese Netze wiederum andere Netze innerhalb ihrer selbst erlauben. Man kann sich dieselbe ökonomistische Interpretation, nur mit umgekehrtem moralischen Vorzeichen, auch vorstellen, und dann ist man schnell bei den Apologeten der Internet-Ökonomie und der Segnungen des Neoliberalismus. (Dass Scholz Facebook als Yahoo!-Firma beschreibt, macht den Artikel nicht vertrauenswürdiger.)

Über Patrick Dax‘ Bookmarks und die Kursbeschreibung The Social Web bei Collectivate.net auf Henry Jenkins gestoßen, der sich beim MIT mit partizipatorischen Medien beschäfigt, und zwar mit einem Focus auf der Popkultur und der Rolle von Fans, nicht nur ausgehend von Online-Medien. Schrieb u.a. Convergence Culture: Where Old and New Media Collide. Online ein längerer Text über Media Literacy: Confronting the Challenges of Participatory Culture: Media Education for the 21st Century (Link zum PDF-Dokument). Wikipedia-Artikel. Blog: Confessions of an Aca-Fan: The Official Weblog of Henry Jenkins. Dort schreibt er in über sich:

The first thing you are going to discover about me, oh reader of this blog, is that I am prolific as hell. The second is that I am also long-winded as all get out. As someone famous once said (Thomas Jefferson, I think), I would have written it shorter but I didn’t have enough time.

Howard Rheingold hat Jürgen Habermas — vor tout-Stanford — gefragt, ob die dezentralisierte Öffentlichkeit des Internet die demokratische Funktion der bürgerlichen Öffentlichkeit übernehmen kann, wie sie Habermas beschrieben hat. Habermas hat eine Antwort schlicht verweigert. Es ist schwer, diesem Nicht-Dialog zwischen dem Autor von Virtual Community und dem Theoretiker der Öffentlichkeit in der Moderne nicht eine symbolische (und beinahe tragische) Qualität zuzusprechen. Rheingold beschreibt das Treffen rücksichtsvoll, aber schockiert in einem Blogeintrag, der die Frage, die Habermas nicht beantwortet hat, eindringlich formuliert.

Dare Obasanjo fasst seine Kritik an OpenSocial in fünf Sätzen zusammen:

OpenSocial is billed as a standardized widget platform for the Web, it isn’t. OpenSocial is a standard set of REST APIs which social networks can utilize to expose user profiles and relationship data. Everything else required by a widget platform from authentication and authorization to user interface integration and an application directory is unspecified. OpenSocial is to a standardized widget platform as an internal combustion engine is to an airplane. A step in the right direction but still very far from the end goal.

Das ist sicher ernst zu nehmen, auch wenn Obasanjo kaum neutral urteilt und die Bedeutung von OpenSocial nicht zuletzt in der Firmenallianz liegt, die Google zusammengebracht hat. BTW: Derek Powazek fragt: Google Now in Vaporware Business?

It is ultimately language that is the unspoken between us. Language is driven by what matters to us. We have words, sentences, paragraphs, punctuation…. That’s the shared lumpiness of the the unsaid. And now we have links. Links that have presence and persistence.

David Weinbergers Notizen für die Eröffnung der Defrag: What’s unspoken between us; eine Zusammenfassung bei Ross Mayfield. Weinberger folgt Heidegger, den er hier nicht nennt. Links sind für ihn etwas anderes als Informationen: Gesten, die implizit und nicht nur explizit bedeuten, und ein Teil der Sprache (des Schreibens). Das Verweisen mit einem Link ist ein menschlicher, sozialer Akt, das Herstellen einer Beziehung, die in der Information über diese Beziehung nie aufgeht. Das wäre weiterzudenken. Weinberger formuliert diese Gedanken fast beiläufig, ohne den begrifflichen Apparat, den ich gleich bemühen möchte.

Kevin Sites hat an der USC Annenberg über seine Dokumentation In the Hot Zone berichtet. Ein Must für zukünftige Journalisten! Sites war der erste Korrespondent der Yahoo! News und ist ein Pionier des „one-man band“-Journalismus: Ein Journalist erzählt seine Geschichten multimedial mit Text, Video und Fotografie. Sites reflektiert die Aufgaben der verschiedenen Medien.

Interessant auch der Hinweis auf People of the Web, Sites‘ neues Projekt über mediale Erfolgsgeschichten im Web.

(Zu Sites auf LoF: Kriegsberichterstattung bei Yahoo, Spiegel online über Yahoos "Hotzone")

Ich habe damit begonnen, mich etwas weiter über OpenSocial zu informieren. Open Social ist eine Standardschnittstelle, über die Soziale Netze (Sites wie Facebook oder MySpace) Daten und damit Funktionalitäten austauschen können. Sie ist eine Alternative zu den proprietären Schnittstellen, wie sie z.B. Facebook mit seinem API zur Verfügung stellt. OpenSocial dient sicher auch dazu, Facebook daran zu hindern, zu einem Metanetzwerk zu werden, aber das ist wohl kaum das einzige Ziel. Auch unabhängig von Facebook werden die meisten Entwickler einheitliche Schnittstellen zwischen Sozialen Netzen begrüßen. Die große Frage ist, ob OpenSocial auch den Usern dienen wird — ob es ihnen ermöglicht, ihre eigenen Daten besser zu kontrollieren.

Das Video, in dem Google OpenSocial vorstellt, finde ich faszinierend. Wer sich für die aktuellen Megatrends in Wirtschaft, Internettechnik und Medien interessiert, sollte es sich anschauen, auch wenn es sich um eine Werbepräsentation handelt:

Click here to display content from YouTube.
Learn more in YouTube’s privacy policy.

Eine gute Darstellung von OpenSocial findet man bei Marc Andreessen (via Chris).

Erste skeptische Einschätzungen bei Dave Winer und — indirekt — bei Doc Searls.

Wenn ich es richtig verstanden habe, kann man mit OpenSocial jede Website mit Funktionen von Sozialen Netzen ausstatten. Das löst den Begriff des Sozialen Netzes möglicherweise auf. (Vielleicht zu steil formuliert: Die Social Network-Funktionalität wird zu einer Komponente der gewöhnlichen Web-Toolbox). Es ist äußerst interessant — und nicht einfach — durchzuspielen, was das bedeuten könnte.