Exzellentes und glänzend geschriebenes Post von Maciej Ceglowski, dem Entwickler von Pinboard, über das Konzept des sozialen Graphen: The Social Graph is Neither. Ein Social Graph sei weder ein Graph noch sozial. Websites, die auf diesem Konzept aufbauen, vor allem Facebook und Google+, würden in ein paar Jahren auf uns so veraltet wirken, wie das AOL der 90er Jahre.

In dem Post geht es vor allem darum, ob sich soziale Beziehungen überhaupt als Graphen, also durch Knoten und Kanten (edges) modellieren lassen. Ceglowski zweifelt daran grundsätzlich. Menschliche Beziehungen seien so komplex, verschieden und flüchtig, dass sie sich grundsätzlich nicht mit diesem Modell erfassen ließen, selbst wenn man alle Möglichkeiten ausnutzt, die z.B. RDF bietet.

Ich glaube nicht, dass dieses Argument wirklich triftig ist, denn Modelle unterscheiden sich prinzipiell von dem, was durch sie modelliert wird. Wie komplex oder simpel ein Modell sein muss, hängt nicht von der modellierten Wirklichkeit ab, sondern von dem Zweck, zu dem man es braucht. Dass man soziale Netze nach dem Graphenmodell nur dazu brauchen kann, crap anzubieten, halte ich für fraglich—aber ich glaube auch, dass solche Sites als solche nur sehr simple soziale Erfahrungen erlauben. Sites wie Twitter, die um soziale Objekte, bei Twitter die Tweets organisiert sind, halte ich auf lange Sicht für interessanter, weil es immer neue und immer andere Arten von sozialen Objekten geben kann.

Am wichtigsten finde ich ein Argument, dass Ceglowski erst am Ende bringt: Zu sagen, dass jemand mein Freund ist, ist nicht einfach eine Feststellung, es ist eine soziale Handlung. Man kann auch sagen: Sie hat einen performativen Charakter—wie das Bruderschaft Trinken in Ceglowskis Heimat. Wenn ich bei Facebook jemand friende, dann stelle ich damit ein Beziehung, nämlich die Facebook-Freundschaft, her. Sie ist also nicht einfach eine Abbildung einer sonst bestehenden Beziehung.

Die Facebook-Freundschaft ist damit ein Beispiel dafür, dass im Web eigene Formen von Beziehungen erzeugt werden. Sie sind nicht virtuell, sondern materiell und messbar. Sie sind aber nicht mit Beziehungen in der analogen Welt identisch. Der Soziale Graph würde dann nicht eine Realität außerhalb oder vor dem Web abbilden, sondern webspezifische soziale Beziehungen.

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