Ich habe mir gerade den ZIB-Talk vor der Wahl hier in Graz angesehen. Immerhin eine ganze Stunde mit den Spitzenkandidatinnen der linken Parteien und den Spitzenkandidaten (alle männlich, auch in ihrer Kommunikation) der Opposition.

Klima und Ökologie wurden nicht einmal erwähnt. Auch Judith Schwentner, die eine engagierte Klimapolitikerin ist, sprach nur vom Grün in der Innenstadt. Indirekt kreiste nur die kurze Diskussion um die Verkehrspolitik um Klimaschutz und Klimaanpassung. Aber auch da war ausdrücklich nur von der Aufteilung des Platzes auf die verschiedenen Verkehrsformen die Rede. Michael Winter, Vertreter einer wissenschaftsfeindlichen Kleinstpartei, warf den Grünen Autolenker-Feindschaft vor.

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Diese Reportage zeigt, dass Klima und Klimaanpassung in implizit eine viel größere Rolle spielen als explizit. Die #ÖVP zum Beispiel erwähnt das Thema Klima kaum oder nur mit Leerformeln, versucht sich aber durch Anti-Klimapolitik zu profilieren. Fast immer, wenn vom Auto die Rede ist, geht es um Erhitzung, Einhalten der Klimaziele und Anpassung an Extremwetter. Das Klima ist der Elefant im Raum – die Hitzewelle jetzt gerade sollte das auch dem Letzten klarmachen

Reblog via Plattform 1,5 Graz

Gestern haben wir die Antworten der Grazer Parteien zur ihren klimapolitischen Plänen veröffentlicht und kommentiert. Heißes Pflaster – eine Datum-Reportage zu Klimawandel, Klimaanpassung und Klimapolitik in – zeigt anschaulich, wie wichtig das Thema für die Grazer Politik ist. (Wer den Datum-Newsletter abonniert, kann den Beitrag kostenlos lesen.) Kurz vor der Wahl stellt Paul Koren die Situation an Brennpunkten wie dem Griesplatz und der Annenstraße dar und gibt einen Überblick zur Klimapolitik der jetzigen Koalition. Er hat Expertinnen wie Andrea Jany und Sanela Pansinger befragt. Korens Résumé ist:

Mit Sanela Pansinger stellt Koren aber auch fest, dass fünf Jahre „für tiefgreifende Veränderung in einer Stadt grundsätzlich viel zu kurz“ sind. Die Transformation der Stadt hat erst begonnen. Wir drängen darauf, dass sie schneller und entschlossener fortgesetzt wird.

Fediverse Reactions

Wir haben bei der Plattform 1,5 Graz die Positionen der Grazer Parteien zur Klimapolitik erhoben. FPÖ – nicht überraschend – und Volkspartei – für mich schon überraschend – haben die Fragen nicht beantwortet. Die Antworten der Parteien, die sich für Klimapolitik interessieren, zeigen einen sehr weitgehenden Konsens. Sie zeigen aber auch – in den Kommentaren zu den Antworten sind wir darauf eingegangen – dass die meisten Parteien das Ausmaß der Klimakatastrophe unterschätzen und keine unbequemen Antworten (Schließung des Grazer Flughafens, entschlossenes Promoten pflanzlicher Ernährung, kein Bauen mit Beton) geben wollen.

Reblog via Plattform 1,5 Graz

Die Plattform 1,5 Graz hat allen wahlwerbenden Parteien einen Fragebogen zur Klimapolitik in der kommenden Wahlperiode geschickt. Fünf Parteien haben geantwortet.

Diese Antworten sind eine wichtige Grundlage für die Wahlentscheidung am 28. Juni. Die Parteien, die geantwortet haben – Grüne, KPÖ, NEOS, Piraten und SPÖ – setzen unterschiedliche Akzente, sind aber darin einig, dass Klimaschutz und Klimaanpassung zentrale Herausforderungen für den nächsten Gemeinderat darstellen. Die Plattform 1,5 Graz begrüßt das ausdrücklich.

Auch bezüglich vieler Maßnahmen für mehr Klimaschutz und Klimawandelanpassung sind diese Parteien einer Meinung. So unterstützen sie alle eine deutliche Verringerung des Autoverkehrs in der Stadt, ein Ende der Bodenversiegelung, mehr Bäume im Stadtgebiet und Maßnahmen gegen Extremwetterereignisse. Unterschiede gibt es in der Verbindung von klima- und sozialpolitischen Schritten und in der Beurteilung der Klimapolitik der aktuell regierenden Koalition im Gemeinderat. 

DI Dr. Günter Getzinger von MoVe iT Graz, einer der Mitgliedorganisationen der Plattform, sagte zur Bedeutung der Klimapolitik in Graz: 

„Klimaschutz ist vor allem auch aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit alternativlos, global, regional, lokal! Sozial Schwache in Graz haben keine großen Garten, ja manchmal nicht einmal einen Balkon, auf den sie bei großer Hitze flüchten können, sie wohnen an Straßen, die vom Durchzugsverkehr überflutet sind und sind von Energiearmut bedroht. Wohlhabende wiederum sind überproportional für die Klimakrise verantwortlich: Sie wohnen in Einfamilienhäusern, fahren große Autos und fliegen in den Urlaub. Sozialpolitik muss daher auch Klimapolitik sein, und Klimapolitik muss sozial gerecht sein!“ 

Nils Fischer (17) von den Grazer Fridays for Future kommentierte das Ausbleiben der Antworten von Volkspartei und FPÖ so:

„Dass ÖVP und FPÖ sich zu diesem Thema nicht äußern, lässt vermuten, dass Klimaschutz für sie keinerlei Bedeutung hat. Somit geben sich zwei etablierte Großparteien noch nicht einmal die Mühe so zu tun, als sei ihnen die Bewältigung der größten Krise der Menschheit ein Anliegen. Damit lassen sie insbesondere die Junge Generation allein, indem sie Ihnen keinen Plan für eine lebenswerte Zukunft bieten. Sie distanzieren sich damit auch von den österreichischen Klimaschutzzielen, und nicht zuletzt, jeglicher Verantwortung als Vertretung der Bevölkerung.“

Graz ist heute bereits im Jahresdurchschnitt 3,1 Grad Celsius heißer als vor der Industrialisierung. Die Lebensverhältnisse verändern sich deutlich, u.a. durch lebensgefährliche Hitzewellen, wie wir sie gerade erleben. Landwirtschaft und Tourismus, aber auch die Industrie müssen sich radikal verändern. In einer immer heißer werdenden Stadt sind Klimaschutz, Klimaanpassung und die Energiepolitik entscheidende Bereiche der Politik.

Wir appellieren daher an alle Wählerinnen und Wähler, die Bedeutung der Klimapolitik ernst zu nehmen und in ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen.

Fediverse Reactions

Anselm Wagner und Lukas Groh gestern nach Grohs Vortrag Metamorphose der Ankerbrotfabrik. Bilder und Informationen zu diesem Projekt habe ich u.a. hier gefunden. Bei der Veranstaltung gestern wurde vor allem diskutiert, ob sich das Modell auf die Rösselmühle in Graz übertragen lässt – als Alternative zu einer von Investoren getriebenen Anlage von noch mehr Wohnraum.

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Rudi Wiederhofer liest aus Ludwig Birós Autobiographe „Die erste Hälfte meines Lebens“. Im Hintergrund Christian Fleck und Barbara Lorenz. Grazmuseum, 21.1.2026

Am Mittwoch wurde im Grazmuseum Ludwig Birós Autobiographie „Die erste Hälfte meines Lebens“ vorgestellt, die der Droschl-Verlag neu aufgelegt hat. Ich kannte das Buch nicht. Rudi Widerhofer las mehrere Passagen, zur Kindheit Birós in einer orthodox geprägten Familie und dann zu seinen Erfahrungen mit den Nationalsozialisten, die ihn schikanierten, bedrohten und mehrfach einsperrten. In einem sehr bedrückenden und leider auch sehr aktuellen Abschnitt seines Buchs hält Biró fest, wie sich die europäischen Länder dagegen wehrten, Jüdinnen und Juden aus Deutschland und Österreich aufzunehmen und dadurch für den Tod vieler verantwortlich machten. Biró, dem die Flucht gelang und der später nach Graz zurückkehrte, hat als Jurist die Rechte von Jüdinnen und Juden verteidigt und die Grazer Gemeinde nach dem Krieg mitaufgebaut.

Allen die diese Veranstaltung gestalteten, und wohl auch alle im Publikum wussten, dass die Erinnerung an Biró und an die Geschichte der Grazer jüdischen Gemeinde heute eine politische Botschaft ist. Die fremdenfeindlichen geistigen Nachfolger des Antisemitismus von damals stellen in der Steiermark inzwischen den Landeshauptmann. Rudi Widerhofer las zurückgenommen und ließ damit Raum für das Pathos der schonungslosen Sätze Birós.

Mein letzter Artikel im @ausreisser ist jetzt auch online zu lesen: Tabuthema Flughafen Graz. (Ich schreibe dort die Kolume StadtStoffWechsel.)

Passend zum Thema heute in der Kleinen Zeitung: 1 Million Euro: Mit diesen Maßnahmen will Graz Touristen aus dem Ausland anlocken (Gangl, 2025). Zitat:

Warum der Fokus auf die Flugdestinationen? Michael Feiertag (Geschäftsführer der STG) beschreibt es so: „Es kommen noch immer zu wenige Urlaubsgäste per Flugzeug in die Steiermark.“ Die brauche es aber: Im Österreich-Vergleich gebe der Fluggast um 37 Prozent mehr aus als der Auto-Anreisende.

Die Emissionen des Flugverkehrs sind der Autorin des Artikels nicht einmal einen Halbsatz wert. Dafür darf wieder einmal Helmut Marko – der in Graz am meisten verehrte der Männer, die die Welt verbrennen – lobbyieren, diesmal zusammen mit Mario Kunasek.

Gangl, V. (2025, November 6). 1 Million Euro: Mit diesen Maßnahmen will Graz Touristen aus dem Ausland anlocken. https://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/20276183/mit-diesen-massnahmen-will-graz-touristen-aus-dem-ausland-anlocken
Fediverse Reactions

Gerald Winter-Pölsler schreibt in der Kleinen Zeitung darüber, wie gut es dem Flughafen Graz geht (Winter-Pölsler, 2025). In der Stadt wird darüber nachgedacht, einen Teil an das Land zu verkaufen – offenbar um die finanzielle Lage der Stadt zu verbessern. Die Emissionen des Flughafens werden nicht erwähnt. Den Flughafen zu kritisieren bleibt in Graz ein Tabu. Mein Eindruck ist, dass da die Kommunisten und die ÖVP einer Meinung sind. Die Grünen trauen sich nicht zu widersprechen

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