Heute erst das Interview der New York Times mit Peter Thiel vom Juni gelesen (Thiel, 2025). Mir erschließt sich nicht, warum Thiel den Ruf eines Intellektuellen hat, in diesem Interview so wenig wie in dem Gespräch, das Barbara Tóth neulich mit Wolfgang Palaver über Thiel geführt hat, und das noch haarsträubender ist (Tóth, 2025). Thiel greift die „Stagnation“ an und wirft sie dem angeblichen Sozialismus (in den USA!) vor. Tatsächlich kann er sich von Science Fiction-Idealen der 60er Jahre nicht lösen. Er hat von der gesamten intellektuellen und wissenschaftlichen Entwicklung seit den 70er Jahren offenbar gar nichts mitbekommen – weder von den Erdsystemwissenschaften, die ja auch ein Ergebnis der von ihm idealisierten Raumfahrt sind, noch von den Durchbrüchen in der Physik und in der Astronomie. Diese Beschränktheit wird dann in einer verschwurbelten Weise theologisch überhöht. Wie eine Figur aus dem Mann ohne Eigenschaften dekoriert er sehr schlichte wirtschaftliche Interessen mit sehr schlichten (und übrigens – auch das würde zu Musil passen – pseudonietzscheanischen) Phrasen.
Thiel, P. (2025, June 26).
Peter Thiel and the Antichrist (R. Douthat, Interviewer) [The New York Times].
https://www.nytimes.com/2025/06/26/opinion/peter-thiel-antichrist-ross-douthat.html
Tóth, B. (2025, September 9). Abendessen mit Milliardär Peter Thiel: „Wer sagt ihm die Wahrheit ins Gesicht?“.
Falter.at.
https://www.falter.at/zeitung/20250909/wer-sagt-ihm-die-wahrheit-ins-gesicht