Gestern ist State of the Climate 2025 (2026) erschienen, der Bericht der World Meteorological Association über den Zustand des Klimas. Kern des Berichts sind knappe Darstellungen der Entwicklung von Schlüsselindikatoren wie der durchschnittlichen Oberflächentemperatur der Erde. In diesem Bericht ist ein wichtiger Schlüsselindikator zum ersten Mal enthalten: das Energieungleichgewicht der Erde, englisch: Earth’s Energy Imbalance. Der Wert dieses Indikators ist der Unterschied zwischen der Strahlungsenergie, die die Erde von der Sonne erreicht, und der wieder abgestrahlten Energie. Treibhausgase in der Atmosphäre und z.T. von ihnen ausgelöste Effekte sorgen schon lange dafür, dass die Erde weniger Energie abstrahlt, als sie aufnimmt. Die zusätzliche Energie wird als Wärme gespeichert, zum größten Teil in den Ozeanen.

Hier eine interaktive Darstellung Earth’s Energy Imbalance von dem auf der WMO-Website verlinkten Dashboard mit Key Climate Indicators:

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Durchschnittliche globale Temperaturabweichung pro Monat (in °C) im Vergleich zu 1850–1900. Klimavisualisierung © 2026 von <a href="https://zacklabe.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zachary Labe </a>, lizenziert unter <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/?ref=chooser-v1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC BY 4.0</a>
Durchschnittliche globale Temperaturabweichung pro Monat (in °C) im Vergleich zu 1850–1900. Klimavisualisierung © 2026 von Zachary Labe , lizenziert unter CC BY 4.0

Ich kenne keinen besseren Überblick über die Veränderungen des Klimas als diese Zusammenstellung von Visualisierungen (Labe, n.d.) auf der Website von @ZLabe. Die laufend aktualisierten Grafiken zeigen wichtige globale Indikatoren wie die Abweichungen der Oberflächentemperaturen, der durchschnittlichen Tagestemperatur, der Temperatur an der Meeresoberfläche, des Wärmeinhalts der Ozeane und des CO2-Gehalts der Atmosphäre. Darüber hinaus visualisieren sie viele spatialisierte, also auf Regionen bezogene Daten zur Erhitzung und ihren Folgen. Dazu gehören Angaben zur Erhitzung der Luft auf dem Festland und bestimmten geografischen Breiten und vor allem – ein Forschungsgebiet Zack Labes – zur Erwärmung der Pole und zum Masseverlust der Eisschilde und des Meereises an den Polen.

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Ich überlege immer wieder, wie ich die vielen Links und Notizen zur Klimakrise und ihren Ursachen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe und weiter sammele, sinnvoll miteinander verbinden kann. Manchmal schwebt mir ein Buch mit dem Titel Fossile Expansion vor. Ich denke an eine Ordnung der vielen Informationsquellen und an eine Interpretation der Informationen aus der Perspektive eines Lesenden, nicht an den – größenwahnsinnigen – Versuch einer Synthese.

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Screenshot aus dem im Text erwähnten Seminar von James Dyke mit einer Grafik aus dem besprochenen Text

Klima- und Erdsystem-Forschende um Johan Rockström haben in einem kurzen Text Konsequenzen aus dem Verfehlen des 1,5°-Ziels des Pariser Klimaabkommens formuliert und zum Handeln aufgerufen (Rockström et al., 2025). Aus Graz waren Ilona Otto vom Wegener Center und Franz Prettenthaler von Joanneum Research beteiligt.

Der als Kommentar in der Zeitschrift One Earth publizierte Text zeigt, wie sehr sich die politische (nicht nur die klimapolitische) Lage durch die fortschreitende Klimakatastrophe verändert hat. In den Medien ist er – außer von den Autoren und ihren Instituten (Dyke, 2025; Dyke & Rockström, 2025; Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, 2025) – bisher kaum erwähnt worden, und wenn, dann nur in englischsprachigen Publikationen. James Dyke ist in einem Seminar, das als Video (James Dyke, 2025) und als Audio (“Lost the Climate Gamble! Now What?” 2025) publiziert wurde, ausführlich, verständlich und mit eigenen Akzenten auf diesen Text eingegangen1.

Ich versuche, den Text zusammenzufassen und dann als Dokument zur Geschichte der fossilen Expansion zu interpretieren.

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[Frage:] „In der Steiermark wird gerade massiv um Touristen geworben, die mit dem Flugzeug kommen sollen.“

[Antwort:] „Ethisch ist das verantwortungslos und es ist de facto umweltkriminell. Ich halte das für eine unverschämte, dreiste Vorgangsweise der öffentlichen Hand, diese Strategie auch noch mit einer Million Euro zu fördern, wie kürzlich für die Erlebnisregion Graz, zur Hälfte getragen vom Land Steiermark.“

Der Grazer Klimaforscher Gottfired Kirchengast in einem lesenswerten, mutigen Interview in der Kleinen Zeitung (Kirchengast, 2026).

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Als gründliche empirische Studie zu den Möglichkeiten einer Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen kenne ich bisher nur die Arbeit der Gruppe um Dominik Wiedenhofer und Helmut Haberl (2020, 2020). Spanische Forschende um Juan Infante Amate haben sich jetzt als Historiker ausführlich mit dem Zusammenhang von Emissionen und Wirtschaftswachstum seit den ersten Jahrzehnten der Industrialisierung beschäftigt. Ihre Arbeit zeigt, wie unrealistisch die Annahme ist, dass sich die Begrenzung der globalen Erhitzung und weiteres Wirtschaftswachstum vereinbaren lassen.

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Manfred Weber meint erreicht zu haben, dass die EU von den Autoherstellern ab 2035 nicht mehr 100%, sondern nur 90% weniger Emissionen fordert (ZDFheute, 2025). Das bedeutet, grob gerechnet:

  • Es werden 2035 mehr als 500.000 PKWs mit Verbrennungsmotoren zugelassen. (Im Vergleichsjahr 2021 hatten ca. 60% der 9,7 Millionen verkauften PKWs herkömmliche Diesel und Benzinmotoren, European Automobile Manufacturers’ Association, 2022, S. 44); hinzu kommen Nutzfahrzeuge.
  • Jedes dieser Autos wird in seiner Lebenszeit 50 Tonnen und mehr CO2eq ausstoßen (Fritz et al., 2021, S.27). (Oder aber, das würden diese Grenzwerte auch erlauben, eine größere Anzahl von Autors stößt pro Stück weniger, aber insgesamt dieselbe Menge Treibhausgase aus.)
  • Das würde nach der sogenannten 1000-Tonnen-Regel (etwa 1000 Tonnen CO2eq werden, statistisch gesehen, den Tod eines Menschen bewirken, Cassella, 2023) zu 25.000.000 / 1000, also etwa 25.000 zusätzlichen Klimatoten durch die in einem Jahr zugelassenen Verbrenner führen.

Das ist eine grobe Überschlagsrechnung. Aber sie arbeitet mit vorsichtigen Annahmen. (Die 2021 verkauften Hybrid- und Plugin-Hybridfahrzeuge und die Nutzfahrzeuge sind nicht berücksichtigt.) Sie zeigt nur, um welche Größenordnung es geht.

Weber und Co., das ist sicher, sind Schreibtischtäter. Sie sind bereit, Tausende von Menschenleben zu opfern, um kurzfristige wirtschaftliche und politische Ziele zu erreichen.

(Dies ist ein Blogpost, ich habe mit schnell zusammengesuchten Quellen gearbeitet. Ich bitte um Korrekturen und Präzisierungen.)

Cassella, C. (2023, August 30). Scientists Warn 1 Billion People on Track to Die From Climate Change. ScienceAlert. https://www.sciencealert.com/scientists-warn-1-billion-people-on-track-to-die-from-climate-change
European Automobile Manufacturers’ Association (Ed.). (2022, September). ACEA Pocket Guide 2022-2023. https://www.acea.auto/files/ACEA_Pocket_Guide_2022-2023.pdf
Fritz, D., Heinfellner, H., & Lambert, S. (2021). Die Ökobilanz von Personenkraftwagen: Bewertung alternativer Antriebskozepte hinsichtlich CO2-Reduktionspotential und Energieeinsparung. Umweltbundesamt GmbH.
ZDFheute. (2025, December 11). Verbrenner-Aus vor Rücknahme: EU-Kommission will Pläne wohl kippen. ZDFheute. https://www.zdfheute.de/politik/ausland/eu-verbrenner-aus-gekippt-100.html
Fediverse Reactions

Die Ausgangssituation für die Klimabewegung hat sich so grundlegend verändert, dass der Ausdruck „Klimabewegung“ anachronistisch geworden ist. Die Trump-Regierung arbeitet an und in einem Bündnis mit den arabischen Petrostaaten und mit Russland. Wie erleben wie in einem dystopischen Film, wie mafiöse Milliardärs-Oligarchien die geopolitische Dominanz anstreben. Eines ihrer wichtigsten Ziele ist es, die lebenserhaltenden Systeme des Planeten unbehindert zerstören zu können. Das ist der Hintergrund der sogenannten Friendensgespräche zum Gaza- und zum Ukraine-Krieg.

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