Schaue mir in der Puls4-Mediathek Die große Klimaprüfung von Fridays For Future an—ein gutes Format trotz der Unterbrechungen durch Flugreisen- und Autoreklame. (Schade, dass die Politiker entscheiden und nicht die Wissenschaftler.)
Fast ein Schulbeispiel für eine absichtliche oder (wahrscheinlicher) unbeabsichtigte und unbemerkte manipulative Argumentation. Fast alle Sätze stimmen, aber durch Ignorieren oder Verschweigen der entscheidenden Fakten zum Klimanotstand ist die Gesamtargumentation verfehlt und gegenaufklärerisch. Sollte einem Philosophen nicht passieren.
Dass die Stadt Graz einen Klimaschutzfonds einrichtet und auf die Plabutschbahn verzichtet, ist eine gute Nachricht. Die Selbstbelobigung vor der Tat stimmt allerdings skeptisch: Volle Kraft voraus für den Klimaschutz. Wer verfolgt, was andere Städte machen, weiß, das Graz hier ganz am Anfang steht. Kopenhangen will bis 2025 CO2-neutral sein und setzt auch deshalb bei der innerstädtischen Mobilität auf das Fahrrad.
Für morgen sind eine Pressekonferenz und die Vorstellung eines Klimabeirats angekündigt: Klimaschutz statt Plabutschgondel. In der Kleinen Zeitung (Paywall) ist davon die Rede, dass GreenTech-Unternehmen präsentiert werden sollen. Ich hoffe, dass es nicht vor allem um weitere Wirtschaftsförderung geht, sondern um wirksame Einschnitte da, wo Treibhausgase produziert werden—vom innerstädtischen Verkehr und der CO2-Erzeugung bei Neubauten über den Flughafen bis hin zu der grässlichen Burger-Kultur in den Lokalen. Wenn eine reiche, naturnahe Stadt wie Graz keine Schubumkehr schafft, dann gibt es auch weltweit wenig Chancen für eine Kreislauf-Wirtschaft.
Die Klimakrise macht verrückt, schreibt Latour—davon kann ich mich nicht ausnehmen. Es ist wahrscheinlich unangemessen und vielleicht sogar lächerlich, ein epochales Phänomen wie die globale Erhitzung in einem Blog mit Thesen zu begleiten. Ich habe die folgenden Thesen formuliert, um meine Gedanken zu ordnen und um mich in Diskussionen auf sie beziehen zu können. Wichtiger als diese Thesen selbst sind mir ihre Konsequenzen etwa in Content-Strategie und Webkommunikation oder bei lokalen politischen Aktionen. Ich freue mich über Widerspruch und Diskussion.

1. Disruption
Die Klimakrise und das Durchbrechen der Planetary Boundaries führen zu disruptiven Veränderungen, die alle gesellschaftlichen Veränderungen, zu denen es seit 1950 gekommen ist (Übergang zur Wissensgesellschaft, Digitalisierung, Globalisierung) um Dimensionen übertreffen. Im 21. Jahrhundert wird es keine wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklung geben, die unabhängig von der Klimakrise eingeschätzt und gesteuert werden kann.
Continue readingWer jetzt noch Rindfleisch aus einem anderen Kontinent importiert, ist ignorant oder bösartig. Ein Indiz für den deprimierenden Stand der Dinge: In Europa gibt es künftig mehr US-amerikanisches Rindfleisch
Lieber @GuenterRiegler, zu den importierten Emissionen am Beispiel Englands (ca. 60%): Zero Carbon Sooner von Tim Jackson. Habe neulich dazu gebloggt.
Bitte auch beachten, dass die chinesischen Zahlen auch durch Exporte zu uns entstehen, dass die Pro-Kopf-Zahlen bei uns höher sind, und dass wir für den größten Teil der bisherigen Emissionen verantwortlich sind.
Die Washington Post zur wissenschaftlichen Sicht auf die letzte große Hitzewelle. Fazit: Die Wirtschaft muss radikal verändert werden: The world’s climate emergency is getting harder to ignore
Vernebelungsartikel des entweder ahnungslosen oder gezielt falsch informierenden „Chefökonom der Industriellenvereinigung“ Erhard Fürst: Im Klima von Verdrängung und Entrüstung.
Im Juli hat Tim Jackson in dem Aufsatz Zero Carbon Sooner—The case for an early zero carbon target for the UK begründet, warum Großbritannien wesentlich früher als—wie derzeit geplant—bis 2050 CO2-neutral werden muss, wenn es einen fairen Beitrag dazu leisten will, die globale Erhitzung bei weniger als 1,5° Celsius zu stoppen.
