Versuche mich über das 9. OPEC International Seminar zu informieren, das morgen in Wien stattfindet. Via Quandt-News habe ich einen Hinweis darauf gefunden, dass Journalist:innen 2023 gegen ihren Ausschluss vom damaligen Seminar protestierten. Die Website selbst enthält kaum inhaltliche Informationen – auch wenn es interessant ist, dass TASS und die Presse zu den Media Partnern und die OMV zu den Sponsoren gehören. Auf ihrer eigenen Website gibt die OPEC bekannt, dass bei der Veranstaltung der nächste World Oil Outlook gelauncht werden soll. Der World Oil Outlook ist ein PR-Instrument der Fossilindustrie gegen alle Forderungen nach dem Ende oder auch nur nach weniger Produktion fossiler Energien. (Um die Ziele des Pariser Abkommens einzuhalten, darf auf keinen Fall in neue Quellen für fossile Energien investiert werden.) Presse, Kurier, Standard und Kleine Zeitung berichten bisher nicht über das Event, zu dem immerhin die Minister zahlreicher Staaten nach Wien kommen.

Von den Menschen, die individuell für die Klimakatastrophe verantwortlich sind, kommen viele morgen und übermorgen in Wien zusammen. Warum ist das kein Thema? Ist niemand alarmiert?

„OPEC’s World Oil Outlook forecasts that until the year 2050 a cumulative $17.4 trillion in oil investments alone would be required to ensure that demand is sufficiently met.“

So zu finden auf der Website des für den 9. und 10. in Wien geplanten OPEC-Seminars: Programme 2025 – OPEC International Seminar. Zu sagen, dass sich bei diesem Event eine der gefährlichsten kriminellen Vereinigungen der Welt trifft, wäre eine Untertreibung. Die Henker-Regime Saudi-Arabien und Iran sind prominent vertreten.

Offenbar sieht weder die Bundesrepublik Österreich noch das Land Wien ein Problem darin, diesem Ökozid-Club die Hofburg und das Wiener Rathaus zur Verfügung zu stellen. (Alt-Bundespräsident Fischer wird übrigens mit freundlichen Worten über die OPEC zitiert – bei der Anbiederung an Öl-Potentaten sind korrupte deutsche Sozialdemokraten wie Gerhard Schröder nicht allein.)

Fediverse Reactions

Anfang der vergangenen Woche war ich auf der re:publica. Ich habe vor allem Sessions zur Information und Desinformation über die Klimakrise und die mit ihr verbundenen Krisen besucht. Ich bin auf viel Neues gestoßen, aber ich kann noch kein persönliches Fazit daraus ziehen. Mir ist nicht klar, ob und wie sich die vielen Vorträge und Diskussionen, die ich mitbekommen habe (die meisten von ihnen kann man auf YouTube ansehen) als Teile des Events verstehen lassen, zu dem sie gehören: Die re:publica ist ja nicht nur eine Sammlung interessanter Einzelinhalte, sondern ein Treffen der Szene, die an digitaler Kommunikation und an demokratischer Politik interessant ist. Als Besucher habe ich eine kommentierte Wasserstandsmeldung dazu erwartet, wo sich die digitale Öffentlichkeit gerade befindet. Aber die Meldung schält sich für mich noch nicht aus den vielen Kommentaren heraus, die ich bisher gehört und gesehen habe.

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Ich habe mir gestern Johannes Hanos Doku über Trump und Musk (Hano, 2025) angesehen und auch den vollständigen Standard-Podcast mit Hano angehört (Retschitzegger, 2024; auf die Kurzversion hatte ich schon hingewiesen). Hanos Recherchen zufolge ist es so gut wie sicher, dass Trump über Jahrzehnte vom KGB und seinen Nachfolgeorganisationen „kultiviert“ wurde, dass das Umfeld amerikanischer Tech-Oligarchen mit Agenten durchsetzt wurde und dass es mehrere Gespräche zwischen Musk und Putin gab (was beide abstreiten). Hanos Hauptaussage ist, dass Trump, die Tech-Bros und die russische Führung Verbündete in einem konsequenten Kampf gegen die westliche Demokratie sind, dem sich nur noch ein vereintes Europa wirksam entgegenstellen könnte.

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Auf dem Rückweg von der 50-Jahrfeier meines Abitur-Jahrgangs vor einer Woche habe ich in München Station gemacht und am Montag die Foto-Ausstellung Civilization in der Kunsthalle besucht. Mir gingen noch die Gespräche mit meinen Mitschülerinnen und Mitschülern durch den Kopf. Fast alle von ihnen hatte ich 50 Jahre nicht mehr gesehen. Am Sonntagmorgen haben einige von uns noch zusammen in eine Hotel gefrühstückt. Es war uns, glaube ich, allen klar, dass die Generation, die jetzt 20 ist, vor Krisen steht, die der laufend wachsende Wohlstand, die materielle Sicherheit und auch die Realititätsverdrängung unserer Generation zu einem großen Teil verursacht hat.

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