Durch Zufall bin ich auf den Aufsatz Nationalism and Climate Change von Daniele Conversi gestoßen (Conversi, 2023). Conversi beschäftigt sich in diesem Review-Artikel vor allem mit dem Nationalismus als Hindernis für den Kampf gegen das, was er Anthropozän-Krise nennt. Er teilt die Befürchtung, dass die Menschheit durch diese Krise „aus der Geschichte vertrieben werden könnten“. Er verweist auf sehr viel Literatur, u.a. auf das Buch Overheating (Eriksen, 2016) des verstorbenen Thomas Hylland Eriksen, auf Ernest Gellner, Dipesh Chakrabarty und Prasenjit Duara. Ausführlich stellt er den „Ressourcen-Nationalismus“ (Resource Nationalism) der Petrostaaten (mit vielen Verweisen, u.a. zur OPEC) und die Verbindung von Nationalismus und Klimaleugnung dar. Am Ende seines vielschichtigen Aufsatzes fragt Conversi:

As climate change relentlessly advances across the planet, we have to face a central question: is there a real risk that nationalism may become the default response, so that, instead of international collaboration, unprecedented acrimony and conflict becomes the automatic setting and response? [p. 219]

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If politics succumbs to economics and economics is ruled by money, we arrive at plutocracy. In the extreme case, the suppression of civic liberties to enforce the rule of law by an authoritarian state is best described as fascism, as in the case of the well-documented support of Pinochet by Hayek and Friedman. (Polanyi Levitt, 2013, p. 35)

Polanyi Levitt, K. (2013). From the great transformation to the great financialization: on Karl Polanyi and other essays. Fernwood Pub.

Ich habe heute drei neuere Artikel von Helen Thompson gelesen: über die zweite Amtszeit Trumps (2025b), über Chinas Vorherrschaft bei seltenen Erden (2025c) und über den Niedergang der europäischen Auto-Industrie (2025a). In den drei Texten analysiert sie die aktuelle amerikanische und europäische Politik. Sie stellt dar, wie die Agierenden durch Zwänge, durch constraints bestimmt werden: durch constraints aufgrund der Verfügbarkeit von Ressourcen (fossile und erneuerbare Energien, seltene Erden), duch finanzielle constraints (Verschuldung der USA) und – in Verbindung mit diesen constraints – durch geopolitische Zwänge.

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In einer neuen Episode des Drilled-Podcast (Lowenstein, 2025b) spricht Adam Lowenstein mit der kanadischen Medienwissenschaftlerin Dr. Hanna E. Morris über ihr neues Buch Apocalyptic Authoritarianism: Climate Crisis, Media, and Power (Morris, 2025). Der Titel des Buchs hat mich an den Essay über Endzeit-Faschismus erinnert, über den ich neulich gebloggt habe. Dieses Buch beschäftigt sich aber nicht in erster Linie mit denjenigen, die mehr oder weniger offen faschistisches Gedankengut vertreten, sondern mit Darstellungen der Klimakrise im Mainstream-Journalismus, die sich explizit gegen die populistische Rechte wenden, aber deren Ideologeme wenigstens zum Teil reproduzieren. Damit haben sie die Rechte gestärkt und dazu beigetragen, demokratische und adäquate Antworten auf die Klimakrise im öffentlichen Diskurs an den Rand zu drängen.

Lowenstein hat das Gespräch auf der Drilled-Seite zusammengefasst (Lowenstein, 2025a). Den Podcast kann man u.a. bei Spotify und auf YouTube anhören.1

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Cover von La mutation écologique

Wahrscheinlich habe ich in diesem Blog über keinen Autor so viel geschrieben wie über Bruno Latour. Seit meiner Arbeit für das Web Literacy Lab an der FH Joanneum lese ich Latour. Vor allem durch Latours Bücher Face à Gaïa (Latour, 2015; dt. Kampf um Gaia 2023a) und Où atterir (Latour, 2017; dt. Das terrestrische Manifest 2018) habe ich erkannt, wie radikal sich unsere historische Situation durch die Klimakrise und die Anthropozän-Situation verändert hat.

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In der neuen Folge des Circular Metabolism-Podcasts (Athanassiadis, 2025) unterhält sich Aristide Athanassiadis ausführlich mit dem französischen Philosophen Thierry Paquot, der sich vor allem mit Städten und Urbanismus beschäftigt hat. Die Leitfrage ist, ob es eine ideale Größe von Städten gibt. Ausgehend von dieser Frage geht Paquot auf eine Fülle von Literatur ein. Dabei stellt er seine eigene Arbeit vor, die von der Lektüre, dem Kommentieren und Editieren dieser Literatur nicht zu lösen ist. In der zweiten Hälfte des Podcasts geht Paquot ausführlich auf den Bioregionalismus ein und stellt dabei seine eigenen urbanistischen Ziele dar.

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