Am vergangenen Mittwoch habe ich mehrere Stunden an einen Betonwürfel angelockt vor dem Landtag in Bregenz gesessen, um in einer Aktion von Extinction Rebellion Vorarlberg gegen das Projekt „Tunnelspinne“ zu protestieren. Am Samstag saß ich zusammen mit Katha beim Markt der Zukunft in Graz auf dem Podium Leonore Gewessler gegenüber. Wir präsentierten die Forderung einer Arbeitsgruppe nach einer „Zukunftskammer“—einer partizipativen und öffentlich geförderten Supportstruktur für ökologische Wirtschafts- und Lebensformen. Die Aktion vor dem Vorarlberger Landtag haben Polizei und Cobra beendet. Nach der Diskussion mit der Ministerin wurde ein offizielles Gruppenfoto aufgenommen.

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Gernot Wagner, dessen Interventionen zur Klimapolitik ich sehr schätze, fordert in einem Kommentar für das Project Syndicate einen „Green Growth Mindset“ (Wagner, 2023). Die Debatte zwischen Green Growth und Degrowth hält er für ein Ablenkungsmanöver. Gemeinsam sei Green Growth und Degrowth-Vertreter:innen das Interesse daran, die Treibhausgasemissionen schnellstmöglich zu senken. Diese Senkung bedeute Wachstum überall da, wo in erneuerbare Energien und in größere Effizienz investiert wird.

Gernot Wagner ist ein ausgewiesener Ökonom, und ich möchte ihm fachlich nicht widersprechen. In diesem Artikel argumentiert er aber als Rhetoriker: gegen die Degrowth-Rhetorik und für eine Green Growth-Rhetorik. Diese Argumentation kann ich auch als Nichtökonom kritisieren – ausgehend von den klimapolitischen Entwicklungen, die sich mithilfe von Medien beobachten lassen. Sie zeigen, ob und wo Green Growth in der Praxis funktioniert.

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Heute wird in Berlin Barbara Schieb beerdigt. Ich bin nicht zu dieser Feier gefahren, weil ich Barbara kaum kannte – anders als ihre Schwester und ihren Bruder, den Mann meiner Schwester. Ich habe mir öfter vorgenommen sie zu besuchen, hatte aber, wenn ich in Berlin war, immer zu viel anderes zu tun. Das tut mir leid. Es gibt Besuche, die man nicht aufschieben kann. Weiterlesen

Climate science is entering a new phase. It’s the end of the beginning and it’s time to prepare,

schreibt Ruth Mottram in einem Blogpost (Mottram, 2023), in dem sie auf eine ganze Reihe der aktuellen Nachrichten zum Klimanotstand verweist – vom Rekordtief des antarktischen Meereises bis zur Berufung von Jim Skea als Chef des IPCC. Diese neue Phase ist – auch in Ruth Mottrams eigener Arbeit – die Phase der Adaption mit allen ihren wirtschaftlichen uns sozialen Implikationen, nicht zuletzt wegen der in einzelnen Ländern und international extrem ungleichen Verteilung von Reichtum und Risiken.

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In einer Kolumne im Guardian führt Rebecca Solnit eine Debatte weiter, die schon vor Jahren begonnen hat – die Diskussion zwischen denen, die das 1,5°-Ziel und damit eine Beherrschung der globalen Erhitzung auf einem Niveau vor der globalen Katastrophe für verpasst halten, und denen, die dazu aufrufen, alles zu tun, um es noch zu erreichen, und, wenn das nicht gelingt, um jedes Zehntelgrad zu kämpfen.
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In den vergangenen Tagen habe ich einen Aufsatz von Giorgos Kallis über Joan Martínez-Alier, Degrowth und die Barcelona-Schule gelesen (Kallis, 2023) sowie angeregt dadurch Passagen von Joan Martínez-Alier selbst (2022; 1990). Degrowth und zentrale Ideen von Kallis und Martínez-Alier sind mir nicht neu. Ich verstehe diese Konzepte jetzt aber anders und hoffentlich etwas besser. Mir wird klarer, was das Besonderer der „Barcelona-Konzeption“ von Degrowth ist, und worin sie sich von anderen Antworten auf die Klimakrise und die damit verbundenen Krisen unterscheidet. Weiterlesen

Ausschnitt aus S. 26 des steirischen Klimaschutzbarometers
Ausschnitt aus S. 26 des steirischen Klimaschutzbarometers. Es wird nicht sichtbar, dass ein großer Teil der Fernwärme der Steiermark aus Gaskraftwerken kommt.

Vor ein paar Tagen ist das steirische Klimaschutzbarometer 2023 erschienen. Das Gallup Institut hat es für die steirische Landesregierung erhoben. Die wichtigsten Ergebnisse finden sich – außer in der Präsentation des Instituts (Gallup Institut, 2023) – auch auf der Website der Landesregierung (Jammernegg, n.d.) und in einem Artikel der Kleinen Zeitung (Pilch, 2023a). Günter Pilch hat außer diesem Artikel selbst auch einen lesenswerten Kommentar dazu verfasst (Pilch, 2023b).

Nach der ersten Lektüre finde ich zwei Dinge bemerkenswert:

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Comme le disent ces gardiens : «La Terre ne nous appartient pas, c’est nous qui appartenons à la Terre.» [Une leçon africaine pour repenser le partage de la Terre]

Als ich mit meinem Blog begonnen habe, habe ich das Schreiben zeitlich verstanden – es ging mir, es geht mir auch immer noch, darum, zu erfassen, was aktuell ist, was vom Aktuellen für mich wichtig ist. Ich habe immer mit dem Muster früher – jetzt – in Zukunft gearbeitet, und dabei mit den Risiken, Entwicklungen falsch einzuschätzen und schnell veraltet zu sein.

Implizit und zunehmend explizit frage ich jetzt, ob und wie Schreiben (und Leben) zu einem Raum gehören und zu welchem Raum ich gehöre. Für mich bestimmen Graz und auch Dubrovnik, aber nicht sie allein diesen Raum. Ich frage mich, was die Zugehörigigkeit zu einem Raum bedeutet, was von ihr ich nicht ablegen kann, wie ich sie erfassen kann, wie ich auf einen Raum antworte, auch: welche Verantwortung ich für ihn habe. Ankommen, Annehmen, Aufnehmen, Abreisen sind Bewegungen im Raum und im Schreiben. Für mich selbst und im Schreiben vollziehe ich einen spatial turn. Das Terrestrische rückt für mich in den Mittelpunkt – aber ich denke neu darüber nach, seit ich es als räumlich erkenne.