Auch in Österreich wird das Wirtschaftswachstum immer öfter in Frage gestellt wie in diesem guten Artikel von Joël Foramitti: Wachstum schadet dem Klima. Wir brauchen neue Wege zum Wohlstand. Im Regierungsprogramm selbst ist von Wachstum kaum die Rede.
Bei zwei Veranstaltungen in Graz hat Christian Zeller von Ökosozialismus gesprochen. Mir ist das, was ich mir unter diesem Audruck vorstelle, nicht unsympathisch. Eine sozialistische Gesellschaft, in der es keine durch Eigentumsunterschiede definierten Klassen gibt, und die innerhalb der planetary boundaries lebt, halte ich für erstrebenswert. Ich stelle sie mir, sehr vage und im Bewusstsein, nicht viel von Wirtschaft zu verstehen, vor wie etwas zwischen schwedischer Sozialdemokratie und jugoslawischem Selbstverwaltungssozialismus, aber mit ökologischem Vorzeichen.
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Bei der Verleihung des Architekturpreis des Landes Steiermark 2019 am 4. Dezember habe ich das Wort degrowth zum ersten Mal bei einer offiziellen Veranstaltung in der Steiermark gehört.
In diesem Jahr wurden drei sakrale Gebäude ausgezeichnet. Phineas Harper konnte als Kurator die Preise allein vergeben.
Die Verleihung des ersten Preises an Wolfgang Feyferlik und Susanne Fritzer für für das Projekt Basilika & Geistliches Haus Mariazell begründet Harper so:
Ich habe neulich über den Aufsatz von Kallis und d’Alisa (D’Alisa & Kallis, 2020) über Degrowth und den Staat geschrieben. Ich denke seitdem weiter über die Thesen dieses Textes zum Staat nach. Ein Anlass dafür ist, dass ich immer wieder merke (oder befürchte), dass marxistische Konzepte, die ich aus der Nach-Achtundsechziger Zeit kenne, in der Klimabewegung wieder aufleben. Mich haben diese Konzepte, ich könnte auch sagen: mich hat diese Ideologie damals selbst stark beeinflusst, und ich habe mich vielleicht nie konsequent von ihr gelöst. Jetzt sehr ich in dem, was in dem Aufsatz als interstitial bezeichnet wird, einem Ausgangspunkt, um das marxistische oder traditionell sozialistische Modell der Transformation in Frage zu stellen—zum Teil vielleicht im Widerspruch zu den Thesen dieses Aufsatzes.
Degrowth and the State (D’Alisa & Kallis, 2020) ist im ersten Teil ein Literaturbericht, im zweiten Teil die Skizze einer Theorie der Funktion des Staates bei der Transformation zu einer Degrowth-Ökonomie.
Der ausführliche Literaturbericht ordnet die Positionen der Degrowth-Theoretiker zum Staat in drei Gruppen (three logics and visions of systemic transformations: ruptural, interstitial and symbiotic) ein:
- revolutionäre (ruptural) Ansätze, für die der Überganz zu einer Degrowth-Wirtschaft nur nach einer radikalen Transformation der Gesellschaft möglich ist,
- interstitial-Ansätze, die darauf setzen, dass sich Elemente einer Degrowth-Ökonomie als eigene Zonen in der bestehenden kapitalistischen Wachstums-Ökonomie entwickeln,
- symbiotische Ansätze, die auf eine schrittweise Umformung des bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystems setzen.
Danke sehr für den Hinweis auf Frédéric Laloux und Frank Eilers! Kann allem zustimmen. Dieser Ansatz allein wäre mir aber zu subjektiv. Ich finde, es geht um eine neue Wirtschaft, so wie sie in der Degrowth-Bewegung schon antizipiert wird, z.B. von Tim Jackson.